Weg zum Hort

Das Forum "Recht und Struktur" soll helfen Fragen zum Rahmen der Kindertagesbetreuung zu klären, Zusammenhänge aufzuzeigen, auf rechtliche Bestimmungen hinzuweisen und Lösungswege zu eröffnen.

Moderator: Detlef Diskowski

Wickinger
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Weg zum Hort

Beitragvon Wickinger » 09.06.2018, 11:21

Die Aufsicht der pädagogischen Fachkräfte beginnt mit der Übernahme der Kindes,also mit der persönlichen Begrüßung. Wer ist nun für den Weg von der Schule zum Hort verantwortlich? Sind es wirklich die Eltern, obwohl diese berufstätig sind und sie keine Möglichkeit haben ihr Kind in den Hort zu bringen? Muss der/ die Horterzieher_in die Eltern benachrichtigen, wenn ein Kind im Hort fehlt? Wer ist verantwortlich wenn das Kind im Hort nicht ankommt?

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Detlef Diskowski
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Re: Weg zum Hort

Beitragvon Detlef Diskowski » 11.06.2018, 14:46

Sehr geehrter Wickinger,
es ist tatsächlich so, dass grundsätzlich für die Wege zum und vom Hort (ebenso wie für die Weg zur und von der Schule) die Eltern zuständig sind.
Während der Weg morgens zur Schule und nachmittags vom Hort nach Hause vermutlich auch weniger problematisch sind, ist es für berufstätige Eltern praktisch kaum möglich, den Weg zwischen Schule und Hort zu beaufsichtigen. Hier müssen Wege gefunden und Lösungen vereinbart werden, die den zu bewältigenden Wegen und dem Alter der Kinder angemessen sind:


Die Eltern dürfen sich aus der Suche nach Lösungen wegen ihrer grundsätzlichen Verantwortung nicht heraushalten und der Hort kann sich nicht heraushalten, weil er sich sonst selber überflüssig macht. (Die Schule hält sich vermutlich weitgehend heraus, weil sie mit dem Unterricht ihre Aufgaben zumeist für erledigt hält. Allerdings gibt ihr Nr. 3 die VV-Aufsicht für den Schulweg einige Aufgaben und in Nr. 5 ist u.a. bestimmt: "Die Schülerinnen und Schüler sind bis zu 15 Minuten vor Beginn und nach Ende ihrer Teilnahme am Unterricht zu beaufsichtigen. Diese Zeit soll bis auf 30 Minuten ausgedehnt werden, wenn Fahrschüler die Schule besuchen und auf Grund der Abfahrtzeiten eine Beaufsichtigung notwendig ist." http://bravors.brandenburg.de/verwaltungsvorschriften/vvaufs)

Es wird also lebenspraktisch darum gehen, dass die Kita (Kiga vor der Einschulung und Hort danach) und Eltern gemeinsam die Bewältigung des Schulweges üben, bis die Kinder in der Lage sind, diesen Weg alleine zu bewältigen.
Das bedeutet für alle Beteiligten eine Herausforderung, ist aber - gerade auch mit Blick auf die zu unterstützende Selbständigkeit der Kind - nicht zu vermeiden.
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski

Kommunal-Verwaltung
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Re: Weg zum Hort

Beitragvon Kommunal-Verwaltung » 11.06.2018, 15:25

Ich möchte die Frage mal umdrehen, wer sollte denn die Verantwortung für den Weg zur Schule/Hort tragen?

Originär liegt die Aufsichtspflicht im Rahmen der Elterlichen Sorge (§ 1626 BGB) bei den Eltern. Sie kann z.B. mittels Betreuungsvertrag an eine Einrichtung (Hort, Kita) abgegeben werden, dann liegt die Aufsichtspflicht bei der Einrichtung. Aber wie sie schon richtig feststellten, erst ab "Übergabe".
Das Alter des Kindes ist zu berücksichtigen und je nach Entwicklungsstand kommt irgendwann der Zeitpunkt, ab welchem die Kinder allein in Schule/Hort gehen, trotzdem führt dies nicht dazu, dass die Eltern die Aufsichtspflicht abgeben können. Im Ergebnis müssen alle Beteiligt einen Weg finden, die Kinder für den Schulweg zu stärken und die Selbstständigkeit zu üben.

Wer ist verantwortlich wenn das Kind im Hort nicht ankommt?


Die Aufsichtspflicht bleibt bei den Eltern.

Muss der/ die Horterzieher_in die Eltern benachrichtigen, wenn ein Kind im Hort fehlt?


Das gilt fĂĽr alle Beteiligten, die Eltern sind verpflichtet dem Hort oder der Schule zu melden, wenn ein Kind nicht kommt und umgekehrt mĂĽssten meines Erachtens Schule und Hort ein Kind melden, wenn es nicht in der Einrichtung ist und nicht abgemeldet wurde.

Ich hoffe dies hilft etwas weiter!

dergolfer94
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Re: Weg zum Hort

Beitragvon dergolfer94 » 11.06.2018, 20:40

Grundsätzlich liegt die Aufsichtspflicht nach dem BGB klar bei den Eltern. Das Problem beginnt mit dem Betreuungsvertrag für den Hort, der Schulform etc.
Ich kenne zum Beispiel Verträge, bei denen Klar geregelt ist, dass die Aufsichtspflicht bereits in der Schule beginnt. Argumentativ kam es tatsächlich aus Richtung der Bürger. Nach dem Motto, die Betreuungszeit soll ab Mittag laufen und berechnet werden, aber die Aufsichtspflicht wollt ihr nicht übernehmen... Da die Horte über das Gemeindegebiet verteilt sind und so Busfahrten von bis zu 30 min keine Ausnahme, ein durchaus nachvollziehbarer Punkt.

Die andere Variante ist wohl das System einer verlässlichen Schule. Auch hier scheint ein nahtloser Übergang der Aufsichtspflicht von Schule zum Hort schon konzeptionell notwendig.

Meines Erachtens sollte es immer eine praktikable Lösung in der Kommune geben. Den Weg von der Schule zum Hort kann man (Eltern und Hort) trainieren und er ist innerhalb eines Ortskerns auch gut zu händeln, bei einem Busweg ist das schon etwas schwieriger.


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