Kita-Bedarfsplan

Das Forum "Recht und Struktur" soll helfen Fragen zum Rahmen der Kindertagesbetreuung zu kl├Ąren, Zusammenh├Ąnge aufzuzeigen, auf rechtliche Bestimmungen hinzuweisen und L├Âsungswege zu er├Âffnen.

Moderator: Detlef Diskowski

Nate
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Kita-Bedarfsplan

Beitragvon Nate » 19.04.2018, 01:40

Hallo zusammen,

ich habe eine Frage zur Planungsverantwortung. Die Tr├Ąger der ├Âffentlichen Jugendhilfe haben im Rahmen ihrer Planungsverantwortung den Bedarf unter Ber├╝cksichtigung der W├╝nsche, Bed├╝rfnisse und Interessen der jungen Menschen und der Personensorgeberechtigten f├╝r einen mittelfristigen Zeitraum zu ermitteln, vgl. ┬ž 80 Abs. 1 SGB VIII. Der Kita-Bedarfsplan (┬ž 12 Abs. 3 KitaG) kann als Teilfachplanung f├╝r die Jugendhilfeplanung verstanden werden. Nach meinem Verst├Ąndnis gehe ich davon aus, dass bei dieser Teilfachplanung die W├╝nsche, Bed├╝rfnisse und Interessen der jungen Menschen und der Personensorgeberechtigten nicht unber├╝cksichtigt bleiben d├╝rfen. Ist mithin wenigstens von einem Beteiligungsgebot auszugehen, stellt sich mir die Frage wie folgt:
In welcher Form werden Eltern in den jeweiligen Landkreisen bei diesem Planungsprozess beteiligt?
├ťber Informationen bzw. Anmerkungen zur Rechtslage w├╝rde ich mich sehr freuen. Vielen Dank!

Viele Gr├╝├če
Nate

Nate
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Re: Kita-Bedarfsplan

Beitragvon Nate » 09.05.2018, 13:22

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich m├Âchte hiermit meine Frage in Erinnerung bringen und w├╝rde mich ├╝ber eine Antwort freuen.
In welcher Form werden Eltern in den jeweiligen Landkreisen bei dem Planungsprozess Kita-Bedarfsplan beteiligt?
├ťber Informationen bzw. Anmerkungen zur Rechtslage w├╝rde ich mich sehr freuen. Vielen Dank!

Viele Gr├╝├če
Nate

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Detlef Diskowski
Beitr├Ąge: 498
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Re: Kita-Bedarfsplan

Beitragvon Detlef Diskowski » 17.05.2018, 13:18

Sehr geehrte Nate,
ich hatte mich bisher zur├╝ckgehalten, weil ich auf Antworten von Eltern und/oder Jugendamtsmitarbeiter*innen zur konkreten Umgangsweise vor Ort gehofft hatte. Aus Sicht des Landesgesetzes ist dazu wenig zu sagen.

Ich sehe es auch so, dass die Bedarfsplanung nach ┬ž 12 KitaG Bestandteil der Jugendhilfeplanung nach ┬ž 80 SGB VIII ist und in Verantwortung des ├Ârtlichen Tr├Ągers der ├Âffentlichen Jugendhilfe (Landkreis oder kreisfreie Stadt) liegt. Die landesgesetzliche Ausf├╝hrungen zu den Aufgaben des ├Ârtlichen Tr├Ągers finden sich im AGKJHG http://bravors.brandenburg.de/gesetze/agkjhg.
Eine ausdr├╝ckliche Pflicht zur Beteiligung der Eltern ist nicht bestimmt; allerdings ergibt es sich aus der Sache, dass bei der Ermittlung des "Bedarfs unter Ber├╝cksichtigung der W├╝nsche, Bed├╝rfnisse und Interessen der jungen Menschen und der Personensorgeberechtigten" (┬ž 80 Abs.1 Ziffer 2. SGB VIII) diese in geeigneter Form einzubeziehen sind. Dies ist also keine formelle Beteiligung, weder an die Planungsprozessen noch an der Entscheidung, sondern eine Ermittlung der W├╝nsche, Bed├╝rfnisse und Interessen in geeigneter Form.

┬ž 6a Abs. 2 KitaG bestimmt die Pflicht zur Beteiligung der Elternbeir├Ąte an allen wesentlichen Fragen; zweifellos geh├Ârt die Jugendhilfeplanung zu diesen wesentlichen Fragen.

├ťber die konkreten Verfahrensweisen vor Ort kann ich leider nichts aussagen; hoffe aber auf eine rege Beteiligung anderer Forenteilnehmer*innen.
Es gr├╝├čt freundlich
Detlef Diskowski

Kitaplan EE
Beitr├Ąge: 1
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Re: Kita-Bedarfsplan

Beitragvon Kitaplan EE » 24.07.2018, 07:24

Sehr geehrte Nate,
Sehr geehrter Herr Diskowski,
die Frage der Elternbeteiligung ist ein schwieriges Unterfangen.
Mit der ├ťbernahme von Aufgaben der Gew├Ąhrleistung der Kindertagesbetreuung im Landkreis (LK) durch die Kommunen ist die N├Ąhe von Verantwortungstr├Ągern und Eltern sicher besser einer direkten Einbeziehung von Eltern dienlich.
In einer Phase der Fortschreibung hatte der LK eine Elternbefragung durchgef├╝hrt. Ergebnis war, dass sich ca. 30% der Eltern (nur) beteiligt haben. Die Ergebnisse waren kaum verwertbar, doch wurden sie genutzt, um punktuell benannte Probleme in den Einrichtungen anzusprechen und auch teilweise bei der Bedarfsplanung zu ber├╝cksichtigen. Zeitnahe L├Âsungen sind oftmals kaum zu erreichen, doch war die Bereitschaft in den Kitas schon vorhanden, sich den Problemen der Eltern zu stellen. Insgesamt sind Elternbefragungen mit einem riesen Aufwand verbunden, dass schon ├╝berlegt werden sollte, wie es zeitnaher und effektiver methodisch machbar ist.
Ansonsten wird die Benehmensherstellung von den Tr├Ągern gestaltet, die ja viel n├Ąher an ihren "Kunden" dran sind. Ob die Beteiligung dann auch so organisiert wird, dass die W├╝nsche und Sorgen der Eltern Beachtung finden, kann nicht eingesch├Ątzt werden.
Ansonsten w├Ąre ich auch f├╝r jede gute Idee zu haben.

MfG
Kitaplan EE

Kommunal-Verwaltung
Beitr├Ąge: 23
Registriert: 23.11.2016, 09:21

Re: Kita-Bedarfsplan

Beitragvon Kommunal-Verwaltung » 24.07.2018, 10:11

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich halte die Beteiligung von Personensorgeberechtigten aus verschiedensten Gr├╝nden f├╝r kompliziert:

In der Regel ist eine gute Kitabedarfsplanung eine ├╝ber die eigene Kita hinausgehende Betrachtung vieler verschiedener Faktoren (perspektivischer Wohnraum, Geburtenrate, Altersdurchmischung, Zuzugs- und Wegzugsraten, Betreuungsquoten, vorhandene Tr├Ągervielfalt ÔÇŽ). Die W├╝nsche der Eltern sind in der Regel deutlich konkreter und beziehen sich eher auf die Anspr├╝che und M├Âglichkeiten in einer (zuk├╝nftigen oder vorhandenen) Kita. Siehe dazu die Schwierigkeiten bei der Auswertung und der Nutzen von Elternfrageb├Âgen des vorherigen Diskussionsteilnehmers.

In "meiner" Kommune habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass die W├╝nsche vieler Eltern kontr├Ąr mit den Notwendigkeiten der Kitabedarfsplanung liefen und auch das Verst├Ąndnis daf├╝r fehlte. Z.B. wird eine Kitaerweiterung von dem kleinen Kreis der ans├Ąssigen Kitaeltern meist abgelehnt, regionale Notwendigkeiten stehen gegen├╝ber eigenen Interessen zur├╝ck. Viele Eltern handeln aus dem Impuls heraus, nur das beste f├╝r IHRE Kinder zu wollen, das ist gut, weil so kritische Themen in den Einrichtungen geregelt werden k├Ânnen und sollen. Gleichzeitig verschlie├čt dieser Wille oft die Einsicht bei einer regionalen Planung, dass es um eine qualitative und/oder quantitative Aufwertung f├╝r alle Eltern/Kinder geht und hier einzelne Interessen in den Hintergrund treten m├╝ssen/sollten.

Wenn man beispielsweise in einer Arbeitsgruppe diese individuellen Mikrow├╝nsche minimieren kann- es also nicht um vorhandene Probleme in der Kita meines Kindes geht, ist eine Beteiligung der Eltern gut vorstellbar.
Ich hoffe, ich bin jetzt keinem Elternteil zu sehr auf die F├╝├če getreten, wollte jedoch meine Erfahrungen und meine erlebten Schwierigkeiten darstellen.

Ich denke ein guter Weg, um m├Âglichst viele W├╝nsche und Bed├╝rfnisse aller Beteiligter zu erf├╝llen, ist die Etablierung von vielen verschiedenen Tr├Ągern/Kitas mit verschiedenen Konzepten und Schwerpunkten und einem gewissen Platz├╝berhang in jedem Landkreis.
Nur wenn diese Kapazit├Ąten verf├╝gbar sind, ergibt das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern nach ┬ž 5 SGB VIII Sinn. Wenn Eltern tats├Ąchlich eine Auswahl an Kitas haben und nicht den einen Platz nehmen m├╝ssen, der gerade noch verf├╝gbar ist. Dann sollten die meisten W├╝nsche, Bed├╝rfnisse und Interessen (┬ž 80 Abs.1 Ziffer 2. SGB VIII) auch ausreichend ber├╝cksichtigt sein.

MfG


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