Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Das Forum zu pädagogischen Fachthemen bietet einen Ort des Austauschs der raum- und zeitunabhängig von Fachkräften, Eltern, TrägervertreterInnen und der interessierten Fachöffentlichkeit genutzt werden kann. Fragen, Probleme, Lösungen, Informationen, Kritik und Lob zur Kindertagesbetreuung in Brandenburg haben hier einen Platz. Für das Ziel, den Kindern bestmögliche Entwicklungschancen zu eröffnen und dafür zu einer Partnerschaft aller am Erziehungsprozess Beteiligten beizutragen, sollen hier pädagogische Themen behandelt werden.

Moderator: Detlef Diskowski

dergolfer94
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Re: Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Beitragvon dergolfer94 » 22.05.2017, 19:57

Hallo Zusammen,

zum Thema VHS wollte das Ministerium eigentlich seit 2015 die bisherige Arbeit der Schulen mit Ganztagsangeboten umfassend erfassen und entsprechende Konsequenzen ziehen. Jedenfalls waren das seinerzeit die kommunizierten Gründe für die Ablehung diverse Anträge zur Errichtung von VHS. Stellt sich also eigentlich die Frage ob es eine Feststellung eines Istzustandes gab und auf Grundlage der Ergebnisse eine Konzeption zur weiteren Arbeit der Ganztagsschulen erstellt wird oder wurde.

Die zwei mir persönlich bekannten VHS sind in jedem Fall keine Erfolgsgeschichte. Das Personl auf beiden Seiten ist unzufrieden wegen der offenkundig nicht vorhandenen Abstimmung, die Kommunen haben Ihre liebe Mühe das Hortpersonal in einem angemessenen Verhältnis vorzuhalten, da ja auch Nichthortkinder zumindest zeitweilig betreut werden....

Demgegenüber ist die Lage in den mir bekannten Grundschulen mit Ganztagsangeboten in offener Form deutlich entspannter. Schule ist Schule und wer in den Hort geht zahl dafür einen Elternbeitrag.Da es auch Angebote von Externen gibt, müssen die Eltern vorher selbst entscheiden, wie der Nachwuchs bei eventuell vorhandenen Lücken betreut wird. Das von mir an anderer Stelle beschriebe Problem der Beaufsichtigung bei der Essenversorgung und den hierfür einschlägigen Gesetzen nehme ich an dieser Stelle dann billigend in kauf.

Schöne Grüße

lysan
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Re: Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Beitragvon lysan » 23.05.2017, 09:52

Meine persönliche Erfahrung mit den offenen Ganztagsschulen ist leider so, dass der Unterricht an der Oberschule am gleichen Standort ausfällt, um den Ganztag der Grundschule abzudecken... :o :(

dergolfer94
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Re: Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Beitragvon dergolfer94 » 24.05.2017, 07:26

Hallo Lysan,

also an den Grundschulen mit offenem Ganztagsangebot die ich kenne, gibt es auch jeweils eine Ganztagsschule fĂĽr die Oberstufe bzw. sogar bis zum Abitur. Das Lehrer aus der Oberschule in den Grundschulen unterrichten habe ich aber noch nicht erlebt. :roll:

Schöne Grüße

lysan
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Re: Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Beitragvon lysan » 24.05.2017, 10:24

Hallo Golfer,
in dieser Oberschule gibt es nicht ein einziges Angebot... Und um den Ganztag abzusichern werden im Vertretungsfall auch Oberschul-Lehrer eingesetzt.
Im vergangenen Schuljahr habe ich bei 80 ausgefallenen Stunden in Klasse 7 aufgehört zu zählen... und da hatte das 2. Halbjahr gerade erst angefangen.
Da stellt sich mir die Frage, warum wir uns hier in unserer VHG so viel Mühe geben, um den Kindern interessante, vielfältige und verlässliche Angebote bis 13.30 bzw. 14.30 zu bieten und ab Klasse 7 ist dann um 12 der Tag beendet...
Und da im ländlichen Raum die Anfahrtszeiten der Kinder aufgrund der Sammelbusse unverhältnismäßig sind (z.B. 1h unterwegs für 20 km Entfernung- Rückweg noch schlimmer), kommt schon mal die Frage auf, welchen Stellenwert Kinder in unserer Gesellschaft denn wirklich haben.... :evil:
Bevor ich mich bei diesem Thema noch mehr in Rage schreibe....

Gibt es denn mittlerweile eine neue Evaluation seitens des Ministeriums? Oder irgendwelche anderen Arbeitsergebnisse???
LG
Lysan

dergolfer94
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Re: Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Beitragvon dergolfer94 » 04.06.2017, 19:20

Hallo lysan,

das ist meiner Meinung nach genau der Grund weshalb eine verlässliche Halbtagsschule keinen Sinn ergibt. Es kann wohl gerade nicht sein, dass zur Erfüllung der Pflichten einer verlässlichen Halbtagsschule plötzlich Lehrer aus der SEK I in der Grundschule landen.

Die Ganztags-Ober-schulen bei uns auf dem Lande, jedenfalls die die ich kenne, haben alle vorgelagerte Gundschulen mit offenem Ganztagesangebot, sprich Schule, Hort oder Dritte bieten die Möglichkeit von AG´s ohne das die regieden Vorgaben des §8 VV-Ganztag eingehalten werden müssen.Ab der 7. Klasse gibt es einen "normalen Ganztagesunterricht" der sich eher am §9 orientiert ,mit Stunden zur Erledigung der Hausaufgaben etc. oder Teilnahmemöglichkeiten an AG´s. Als Krönung eventuell noch die Möglichkeit auch das Abitur dort abzulegen und die Sache ist rund.

Natürlich gibt es auch hier Probleme, die bei den Schulwegen anfangen und fehlendem Personal enden, aber insgesamt scheint es deutlich entspanter zu laufen als in Kombinationen mit VHG´s. Der Vorteil der GS mit offenen Angeboten liegt meines Erachtens klar in der höheren flexibilität für die Kinder, wogegen ab der 7. Klasse wohl eine klarere Regelungsvorgabe notwendig ist, um einen entsprechend guten Abschluss zu erreichen.

Ob sich das Ministerium angesichts der Vielzahl von Problemen in unserem Bildungssystem einer neuen Evaluierung stellt oder im stillen Kämmerlein womöglich schon längst Ergebnisse vorliegen kann ich leider nicht sagen.

LG

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Detlef Diskowski
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Re: Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Beitragvon Detlef Diskowski » 04.06.2017, 20:02

dergolfer94 hat geschrieben:das ist meiner Meinung nach genau der Grund weshalb eine verlässliche Halbtagsschule keinen Sinn ergibt. Es kann wohl gerade nicht sein, dass zur Erfüllung der Pflichten einer verlässlichen Halbtagsschule plötzlich Lehrer aus der SEK I in der Grundschule landen.

Ich verstehe die Diskussion nicht mehr. Herr Golfer94, Sie schrieben doch selber dass Sie noch nicht erlebt haben, dass Lehrer der Oberstufe den Ganztag in der Grundschule absichern. Nun soll das aber der Grund sein warum die VHG keinen Sinn ergibt? Was ist nun eigentlich Sachlage, was ist das Problem und wie sind die Lösungsvorschläge?
Mir ist auch nicht ganz klar, fĂĽhren wir hier ein Zieldiskussion oder eine Umsetzungsdiskussion? Also sind die Ziele falsch oder werden sie nicht realisiert.....



dergolfer94 hat geschrieben:Die Ganztags-Ober-schulen bei uns auf dem Lande, jedenfalls die die ich kenne, haben alle vorgelagerte Gundschulen mit offenem Ganztagesangebot, sprich Schule, Hort oder Dritte bieten die Möglichkeit von AG´s ohne das die regieden Vorgaben des §8 VV-Ganztag eingehalten werden müssen.

Welche Vorgaben sind i.E. rigide und warum?

dergolfer94 hat geschrieben:Ab der 7. Klasse gibt es einen "normalen Ganztagesunterricht" der sich eher am §9 orientiert ,mit Stunden zur Erledigung der Hausaufgaben etc. oder Teilnahmemöglichkeiten an AG´s. Als Krönung eventuell noch die Möglichkeit auch das Abitur dort abzulegen und die Sache ist rund.

Ich finde die Vermischung der Diskussion um die Primarstufe und die Oberstufe schwierig, weil die Rahmenbedingungen recht unterschiedlich sind. Es schiene mir hilfreich dies zu differenzieren und jeweils einzeln zu diskutieren; sonst ist einfach nur alles irgendwie schlecht.

dergolfer94 hat geschrieben:Natürlich gibt es auch hier Probleme, die bei den Schulwegen anfangen und fehlendem Personal enden, aber insgesamt scheint es deutlich entspanter zu laufen als in Kombinationen mit VHG´s. Der Vorteil der GS mit offenen Angeboten liegt meines Erachtens klar in der höheren flexibilität für die Kinder, wogegen ab der 7. Klasse wohl eine klarere Regelungsvorgabe notwendig ist, um einen entsprechend guten Abschluss zu erreichen.

Worin besteht i.E. die höhere Flexibilität der Kinder? Die VHG(+Hort) sollte ja einen festen Rahmen schaffen um die Verlässlichkeit der Betreuung für die Eltern, die Koordination des Busverkehrs und eine den Kindern angemessenere Rhythmisierung von Unterricht und Freizeit zu ermöglichen. Nun kann man beschreiben welche Ziele nicht erreicht werden (oder welche doch), aber dies aufzurechnen gegen eine irgendwie geartete Flexibilität finde ich schwierig.

dergolfer94 hat geschrieben:Ob sich das Ministerium angesichts der Vielzahl von Problemen in unserem Bildungssystem einer neuen Evaluierung stellt oder im stillen Kämmerlein womöglich schon längst Ergebnisse vorliegen kann ich leider nicht sagen.

Ich habe in der Präsentation oben eine paar Ergebnisse von zwei Evaluationen vorgestellt. Nun kann man sicherlich immer weiter evaluieren - aber wäre es nicht erst einmal hilfreich, die vorliegenden Ergebnisse zu betrachten und zu bewerten? Ich habe dies weder hier noch in Veranstaltungen wahrgenommen.
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Beitragvon lysan » 06.06.2017, 07:58

@dergolfer94

das ist meiner Meinung nach genau der Grund weshalb eine verlässliche Halbtagsschule keinen Sinn ergibt. Es kann wohl gerade nicht sein, dass zur Erfüllung der Pflichten einer verlässlichen Halbtagsschule plötzlich Lehrer aus der SEK I in der Grundschule landen.


Die von mir angesprochene Schule ist eine Grundschule mit offenem Ganztag. :?

@Herr Diskowski

Also sind die Ziele falsch oder werden sie nicht realisiert.....

Die Ziele sind sicherlich nicht falsch - die Umsetzung ist aber offensichtlich gescheitert... Wie soll sich aber etwas ändern, wenn die Rahmenbedingungen von der Basis aus nicht zu ändern sind :?:

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Detlef Diskowski
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Re: Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Beitragvon Detlef Diskowski » 06.06.2017, 18:24

lysan hat geschrieben:Die Ziele sind sicherlich nicht falsch - die Umsetzung ist aber offensichtlich gescheitert... Wie soll sich aber etwas ändern, wenn die Rahmenbedingungen von der Basis aus nicht zu ändern sind :?:

Ist die Umsetzung i.E. ĂĽberall gescheitert? Welche Rahmenbedingungen meinen Sie genau?
Es grĂĽĂźt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Beitragvon lysan » 07.06.2017, 12:13

Sehr geehrter Herr Diskowski,
ob die VHG ĂĽberall und wirklich gescheitert ist, kann ich nicht beurteilen. Dazu mĂĽssten umfangreichere Befragungen durchgefĂĽhrt werden.
Aus meinen persönlichen Erfahrungen und den Aussagen anderer Hort-Kollegen sehe ich das so.
Mehr als PN.
Mfg

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Re: Verlässliche Halbtagsschule in Potsdam

Beitragvon dergolfer94 » 11.06.2017, 23:06

@ Detlef Diskowski,

der für mich entscheidende Unterschied ist das müssen oder können. Die Grundschule mit offenem Angebot unterrichtet den Regelstundenplan und danach kann ein Angebot durch Schule, Hort oder Dritte unterbreitet werden. Ergebnis, jedenfalls in den mir bekannten Grundschulen, die Motivation auf beiden Seiten ist vorhanden. Nach meiner Erfahrung hat die verlässliche Halbtagsschule die Mindestzeit einzuhalten ( was eben häufig durch individuelle Lernzeit geschieht) und danach sollen die Kinder noch Angebote nutzen. Dadurch verlagert sich zwangsläufig das komplette freiwillige Angebot auf den frühen bis späten Nachmittag.
Gerade in der offenen Variante können Schüler der ersten und zweiten Klasse, jedenfalls an meinen "Reverenzschulen" bereits gegen 12:30 Uhr also regelmäßig nach dem Mittag an AG´s teilnehmen. Die selben "Dozenten" stehen später für die höheren Klassen zur Verfügung wodurch sich auch für Drittanbieter das Angagement eher lohnt. Ob und wie lange ein Kind darüber hinaus den Schulhort besucht richtet sich ohnehin flexibel nach den Wünschen der Eltern in entsprechenden Verträgen mit der Kommune.

@ lysan

Warum werden denn bei einer offenen GS die Lehrer der Oberstufe eingesetzt? Bei uns können Lehrer der Oberschule meines Erachtens gar nicht aushelfen, da die Stunden bzw. Pausenzeiten absichtlich nicht Deckungsgleich sind. Eine "Abkommandierung" zu Lasten der Oberschule habe ich zumindest bei uns bisher nicht feststellen können. Dieses Vorgehen kenne ich aber sehrwohl aus einem Fall der verlässlichen GS um hier die Mindestzeitstunden abdecken zu können.


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