"Gute-Kita-Gesetz" Ma├čnahme 2: "Fachkraft-Kind-Schl├╝ssel"

Das Forum "Recht und Struktur" soll helfen Fragen zum Rahmen der Kindertagesbetreuung zu kl├Ąren, Zusammenh├Ąnge aufzuzeigen, auf rechtliche Bestimmungen hinzuweisen und L├Âsungswege zu er├Âffnen.

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"Gute-Kita-Gesetz" Ma├čnahme 2: "Fachkraft-Kind-Schl├╝ssel"

Beitragvon Detlef Diskowski » 11.03.2019, 21:05

Einige Forennutzer und Besucher des Webinars http://www.kita-brandenburg.de/webinare/ w├╝nschten sich eine Diskussion zur Bedeutung, Vordringlichkeit und Umsetzungsschwierigkeit der zehn Ma├čnahmen aus dem Instrumentenkasten des Gesetzes f├╝r Brandenburg. Um der Diskussion eine gewisse Ernsthaftigkeit zu geben, w├Ąre es hilfreich, wenn tats├Ąchlich ├╝ber Priorit├Ąten diskutiert w├╝rde; denn ├Ąhnlich wie beim Familienbudget sind auch dem Landeshaushalt Grenzen gesetzt.
Dem Wunsch folgend werden hier die zehn Ma├čnahmen aus ┬ž 2 des KiQuTG zur Diskussion gestellt.

"2. einen guten Fachkraft-Kind-Schl├╝ssel in Tageseinrichtungen sicherstellen"
Es gr├╝├čt freundlich
Detlef Diskowski

Hascheff
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Re: "Gute-Kita-Gesetz" Ma├čnahme 2: "Fachkraft-Kind-Schl├╝ssel"

Beitragvon Hascheff » 12.03.2019, 10:31

Ich erw├Ąhnte an anderer Stelle http://www.kita-brandenburg.de/viewtopic.php?f=33&t=718#p2081 schon die
Hascheff hat geschrieben:M├Ąr von den "nur 7,5 Stunden finanzierte Betreuungszeit"
Diese entsteht ja bekanntlich aus der Gestaltung der Personalschl├╝ssel: 0,8 Erzieher f├╝r 6 h entspricht 1 Erzieher f├╝r 7:30 h. Im Hortbereich sind es 5:20 h.

Es bringt nichts, an dieser Stelle noch mal zu erkl├Ąren, warum das eine Milchm├Ądchenrechnung ist. Wir m├╝ssen uns damit arrangieren und ├╝berlegen, ob der Personalschl├╝ssel anders gestaltet werden kann, um der Diskussion die Grundlage zu entziehen, denn diese raubt uns unn├Âtig Zeit und Kraft.

Was kann man ├Ąndern?
Die Kinderschl├╝sselzahlen (z. Zt. 5/11/15) zu ├Ąndern ist hier keine Option, die tauchen ja in der obigen Rechnung nicht auf. (Man begegnet ├╝brigens immer noch hin und wieder der irrigen Ansicht, dass diese Zahlen eine vorgeschriebene Gruppengr├Â├če festlegen.)
Die Mindestbetreuungszeit (6 h/4 h) ist zu tief im System verankert, eine ├änderung ist wohl nicht zu erwarten. Bleibt das Verh├Ąltnis 0,8:1 (Hort 0,6:0,8).

Es gibt drei Wege, das Verh├Ąltnis 0,8:1 zu ├Ąndern: die eine oder die andere Zahl oder beide.
Die 1 w├╝rde ich beibehalten, nicht nur, weil sie sch├Ân glatt ist. W├╝rde die 1 zu 1,2 werden (1,2 : 0,8 = 9 h : 6 h), w├╝rden die Kl├Ąger nur rufen: "Endlich haben sie es kapiert und verg├╝ten 9 h!" Weitere Argumente w├╝rden nicht mehr zu ihnen durchdringen.

Man kann aber genauso gut die 1 stehen lassen und aus der 0,8 (in ein oder zwei Schritten) eine 0,6 machen. (1 : 0,6 = 10 h : 6 h)
Nat├╝rlich geht das nur bei gleichzeitiger ├änderung der Kinderzahlen, aber es ist ohnehin nicht ratsam, meinen Vorschlag eigenst├Ąndig durchzuf├╝hren.
Die ├änderung von 0,8 zu 0,6 f├╝hrt nat├╝rlich erst einmal zu Erstaunen: "Wie, jetzt wollt ihr die Erzieherzahl f├╝r 6 h k├╝rzen?" Die Antwort ist relativ einfach: "Nein, wir ├Ąndern nur das Verh├Ąltnis der Erzieherzahl f├╝r kurze und lange Betreuungszeit. Bevor ihr lamentiert, ermittelt erst mal die Erzieherzahl f├╝r eure Einrichtung."

Nun muss nat├╝rlich noch aus statistischen Angaben der Kinderschl├╝ssel ermittelt werden, bei dem vermieden wird, dass Kitas mit weniger Erziehern auskommen m├╝ssen. Auf der anderen Seite vermute ich, dass ein positiver Effekt (gleichg├╝ltig, welcher der drei Wege gew├Ąhlt wird,) nicht gerade die trifft, die man immer lamentieren h├Ârt. Denn das sind in der Regel gro├če Tr├Ąger in gro├čen St├Ądten. Dazu habe ich eine informative Grafik gefunden:

2019-03-12_09h45_43.png
2019-03-12_09h45_43.png (25.62 KiB) 90 mal betrachtet

(DJI-Kinderbetreuungsreport 2018 https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs2019/DJI_Kinderbetreuungsreport2018.pdf)

Auf dem Lande ist der Bedarf an langer Betreuungszeit gr├Â├čer. Verst├Ąndlich, die Wege zur Arbeit sind oft l├Ąnger. Gleichzeitig sind nach meiner Sch├Ątzung die Einrichtungen dort oft kleiner. Diese haben dann zu recht den gr├Â├čeren Nutzen von dieser Umstellung. Denn wenn am sp├Ąten Nachmittag nur noch wenige Kinder betreut werden m├╝ssen, bedeutet das in einer gro├čen Kita, dass ein Erzieher vielleicht noch zehn Kinder betreut, w├Ąhrend in einer halb so gro├čen Kita f├╝r f├╝nf Kinder immer noch ein Erzieher gebraucht wird.

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Re: "Gute-Kita-Gesetz" Ma├čnahme 2: "Fachkraft-Kind-Schl├╝ssel"

Beitragvon Detlef Diskowski » 12.03.2019, 20:13

Hascheff hat geschrieben:Ich erw├Ąhnte an anderer Stelle http://www.kita-brandenburg.de/viewtopic.php?f=33&t=718#p2081 schon die
Hascheff hat geschrieben:M├Ąr von den "nur 7,5 Stunden finanzierte Betreuungszeit"
Diese entsteht ja bekanntlich aus der Gestaltung der Personalschl├╝ssel: 0,8 Erzieher f├╝r 6 h entspricht 1 Erzieher f├╝r 7:30 h. Im Hortbereich sind es 5:20 h.

Es bringt nichts, an dieser Stelle noch mal zu erkl├Ąren, warum das eine Milchm├Ądchenrechnung ist. Wir m├╝ssen uns damit arrangieren und ├╝berlegen, ob der Personalschl├╝ssel anders gestaltet werden kann, um der Diskussion die Grundlage zu entziehen, denn diese raubt uns unn├Âtig Zeit und Kraft.


Das Missverst├Ąndnis wurde aktiv von der Bertelsmann-Stiftung in die Welt gesetzt, weil sie nicht verstanden haben, dass die ZUMESSUNG von Personal etwas anderes ist als der VERGLEICH von Personal/Kinder zu einem Stichtag im Jahr.
Inzwischen wissen sie es, aber das Missverst├Ąndis ist bei Menschen, die nicht genau wissen wollen (sondern nur so ungef├Ąhr und vom H├Ârensagen) verankert. Denen ging es um dir richtige Aussage: "Lange Betreuungszeiten sind personell schlecht abgesichert!" Ob die Herleitung und die Begr├╝ndung stimmen, war denen egal.
Ob es jetzt sinnvoll ist, solche sehr grunds├Ątzlichen Neukonzipierungen vorzunehmen, m├Âchte ich bezweifeln. Vor Missdeutungen und Missverst├Ąndnissen ist man niemals sicher; auch in Ihrem Vorschlag nicht.
(Im Detail lie├če sich viel dazu sagen; das ├╝berfordert aber sicher den Rahmen eines Forums. Tats├Ąchlich aber wird so etwas diskutiert im "Facebook-Stil": als gef├Ąllt mir - gef├Ąllt mir nicht!
Es gr├╝├čt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: "Gute-Kita-Gesetz" Ma├čnahme 2: "Fachkraft-Kind-Schl├╝ssel"

Beitragvon Hascheff » 13.03.2019, 01:21

Es spielt keine Rolle, woher das Missverst├Ąndnis stammt. Es ist nicht totzukriegen, erst letzte Woche habe ich es in einer Versammlung geh├Ârt.
Und ich bin sicher, dass die Politiker irgendwann darauf reagieren werden. Ob ohne oder wider besseres Wissen, spielt keine Rolle, einfach nur, weil es W├Ąhler gibt, die das verlangen. W├Ąhlerstimmen gewinnen, ohne andere zu vergraulen, wer kann da schon widerstehen. Also wird es so kommen und das tut auch gar nicht weh.

Es stimmt, eine gro├če Diskussion ist nicht zu erwarten, sehen Sie meinen Beitrag einfach als offenen Brief an das Ministerium an. Und "Gef├Ąllt mir"-Buttons m├╝ssen nicht eingerichtet werden, solche Fragen m├╝ssen nicht demokratisch entschieden werden.
Es gibt drei Wege, schrieb ich. Der von mir favorisierte muss nicht gew├Ąhlt werden, aber einen anderen, einfacheren sehe ich nicht. Sie etwa?

Detlef Diskowski hat geschrieben:die richtige Aussage: "Lange Betreuungszeiten sind personell schlecht abgesichert!"

Die ├änderung des Fachkraft-Kind-Schl├╝ssels ist nur eine Ma├čnahme. Kitaleiter sollten geschult werden, damit sie die vorhandenen Erzieher besser einsetzen k├Ânnen.

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Re: "Gute-Kita-Gesetz" Ma├čnahme 2: "Fachkraft-Kind-Schl├╝ssel"

Beitragvon Detlef Diskowski » 21.03.2019, 12:29

Man kann das so machen wie Sie vorschlagen; aber die m├Âglichen Missverst├Ąndnisse werden nur verschoben (eines haben Sie selber angedeutet; 0,6 ERSCHEINT dem Milchm├Ądchen schlechter als 0,8). (Man erinnert sich an den Sportler, der mit dem Angebot, 1/3 der Einnahmen zu bekommen nicht einverstanden war, sondern mindestens 1/4 forderte ;) ;) ;) ;) )
Das Problem liegt nicht in ver├Ąnderten Ma├čzahlen und Rechenverfahren, sondern im Missverst├Ąndnis ├╝ber die Bedeutung und Aussagekraft der Ma├čzahlen:
Die PERSONALZUMESSUNG -wie wir und andere L├Ąnder sie bestimmt haben- gibt an, wieviel Personal f├╝r Kinder welchen Alters, welcher Betreuungszeit (und ggf. anderer Faktoren) vorhanden sein muss und finanziert wird.
Der PERSONALSCHL├ťSSEL (eigentlich Personalressourceneinsatzschl├╝ssel) ist ein Messwert, mit dem ich verschiedene Personalausstattungen vergleichen kann. (Ich z├Ąhle alle Erzieher-Arbeitsstunden zusammen und teile sie durch alle Kinder-Betreuungsstunden.)
Solange der Unterschied nicht verstanden wird, wird es immer wieder Irritationen, Aufruhr und Polemik geben, wenn der z.B. im L├Ąndermonitor der Bertelsmann-Stiftung ver├Âffentlichte Personalschl├╝ssel von der Personalzumessung nach KitaG abweicht; und er wird fast immer abweichen - nach oben oder nach unten, je nachdem welche Betreuungszeiten insgesamt vereinbart worden sind.

Dieses Problem wird man auch nicht los, wenn man Ihrem Vorschlag zur Ver├Ąnderung der Zumessung folgt!
Man muss, finde ich, den Menschen, die sich in solche Debatten einmischen, auch abverlangen, dass sie sich informieren und auf einer sachlich argumentieren. Wer das nicht m├Âchte, dem kommt man auch mit neuen Verfahren nicht bei.

Zusammenfassend noch einmal f├╝r alle zum Nachlesen:
Die Aussage, dass der EINE Schritt bei der Personalzumessung (bis 6 Std./mehr als 6 Std.) nicht mehr die Mitte der Betreuungszeiten abbildet - also die VIELEN langen Betreuungszeiten nicht durch WENIGEREN kurzen ausgleicht, ist richtig und verweist auf Ver├Ąnderungsnotwendigkeiten.
Die Aussage, in Brandenburg w├╝rden bei Kindern bis zur Einschulung nur Betreuungszeiten bis 7,5 Stunden finanziert, ist Unsinn!


Nun gibt es auch den Vorschlag, den Personalschl├╝ssel f├╝r die Personalzumessung zu verwenden - dann gibt es diese Unterschiede und Missverst├Ąndnisse nicht mehr!
Das ist grunds├Ątzlich m├Âglich, w├╝rde aber zu einer gro├čen Anzahl von Zeitstufen f├╝hren (f├╝r jede Betreuungszeitenstunde g├Ąbe es einen anderen Personalschl├╝ssel). Das ist rechnerisch leicht m├Âglich, w├╝rde aber die Personalausstattung der Kita sehr ver├Ąnderbar machen. Eltern, die sich f├╝r eine Stunde mehr oder weniger entscheiden, w├╝rden unmittelbar den Personalschl├╝ssel beeinflussen.

Die Einbeziehung von Betreuungszeiten in die Personalausstattung soll ja f├╝r eine gewisse Gerechtigkeit sorgen, weil Einrichtungen, die lange Betreuungszeiten anbieten m├╝ssen, personell h├Âher belastet sind. Damit das rational, nachvollziebar und kein Selbstbedienungsladen ist, muss es z.B. durch die Elternbeitr├Ąge korrigiert werden. Mit dem Abbau der Elternbeitr├Ąge insgesamt, geht dieses Korrektiv verloren.

Also kommt man wohl nicht umhin, die Festlegung auch bei der Feststellung des Rechtsanspruchs anzuwenden, denn immerhin h├Ąngen ja erhebliche ├Âffentliche Mittel an den damit zusammenh├Ąngenden Personalmengen. Bisher wird der Rechtsanspruch i.d.R. in diesen beiden Stufen bewilligt. Eine stundenweise Zumessung der Rechtsanspr├╝che st├Â├čt aber vermutlich an praktische Grenzen in verschiedener Hinsicht.

Zusammengefasst meine pers├Ânliche Meinung: Die Dinge sind meist etwas komplizierter und haben verschiedene Wirkungen und Nebenwirkungen! Deshalb machen mich Aussagen wie "Da m├╝sste man doch einfach mal....." eher nachdenklich. I.d.R. zeigen sie nur, dass der Sachverhalt noch nicht richtig verstanden wurde.
Es gr├╝├čt freundlich
Detlef Diskowski


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