Bezugskinder in der berufsbegleitenden Ausbildung

Das Forum "Recht und Struktur" soll helfen Fragen zum Rahmen der Kindertagesbetreuung zu klären, Zusammenhänge aufzuzeigen, auf rechtliche Bestimmungen hinzuweisen und Lösungswege zu eröffnen.

Moderator: Detlef Diskowski

Hampiwoman
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Bezugskinder in der berufsbegleitenden Ausbildung

Beitragvon Hampiwoman » 09.03.2019, 10:23

Sehr geehrter Herr Diskowski,
in der Hoffnung, eine adäquate Antwort zu finden, kontaktiere ich Sie. Ich bin 47 Jahre alt und befinde mich im 2. berufsbegleitenden Ausbildungsjahr zur Erzieherin. Meine Ausbildung folgt im Groben der Struktur 1Woche Theorie (Schule) zwei Wochen Praxis. Meine Frage zielt auf die eigenverantwortliche Übernahme von 3 Bezugskindern ab. Unabhängig davon, dass ich mir dies zutraue, möchte ich gern erfragen, ob dies auch zulässig ist.
Zeitlich gew√§hrleisten kann ich dies nicht wirklich, da der Schulrhythmus manchmal auch bedingt, dass ich monatlich nur 2 Wochen in der Praxis bin und ich auf Unterst√ľtzung bei der Begleitung , Beobachtung , Dokumentation als auch Elterngespr√§chen nicht hoffen brauche. Und auch die n√∂tige Zeit daf√ľr innerhalb der Einrichtung w√§hrend der Arbeitszeit nicht zur Verf√ľgung steht - diese erfolgt dann daheim als verg√ľtete Schreibzeit. Jedoch ist das Zeit, die ich f√ľr die Aufbereitung theoretischer als auch praxisbezogener Aufgaben ben√∂tige im Rahmen der Ausbildung. Ich unterst√ľtze meine Kollegen in der Dokumentation und im Handlungsalltag bereits eigenst√§ndig. Die √úbernahme der Bezugskinder, wobei es sich um ‚ÄěNeuzug√§nge‚Äú aus dem Krippenbereich als auch ein Eingew√∂hnungskind von au√üerhalb handelt, empfinde ich als unangemessen und f√ľr mich nicht erbringbar aus dem beschriebenen Kontext heraus.
Nachtrag: Es ist nicht nur der zeitlich zus√§tzliche Faktor sondern auch dass ich diese Kinder ausschlie√ülich in der Praxisphase beobachten und begleiten kann und durch die schulische Unterbrechung gibt es keine Stabilit√§t, die einen gelungenen Beziehungsaufbau wesentlich ausmacht. Mir entgehen ebenfalls Entwicklungsschritte, die in meiner Abwesenheit gelingen und bei viel Gl√ľck eventuell durch Dritte an mich herangetragen werden. Dies in der Gesamtheit finde ich gewagt und nicht im Sinne der Kinder.
Ich freue mich auf die Antworten und Perspektiven, Anregungen, die ich noch nicht in Erwägung gezogen bzw. wahrgenommen habe.

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Detlef Diskowski
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Re: Bezugskinder in der berufsbegleitenden Ausbildung

Beitragvon Detlef Diskowski » 10.03.2019, 21:57

Sehr geehrte Hampiwoman,
Hampiwoman hat geschrieben:Meine Frage zielt auf die eigenverantwortliche Übernahme von 3 Bezugskindern ab. Unabhängig davon, dass ich mir dies zutraue, möchte ich gern erfragen, ob dies auch zulässig ist.

ZUL√ĄSSIG ist alles was fachlich vertretbar ist. Das muss letztlich der Tr√§ger und in seinem Auftrag die Leitung der Einrichtung entscheiden. Aber durch ihre nun folgende Argumentation wird ja deutlich, dass Sie im Grunde nicht nach der rechtlichen Zul√§ssigkeit, sondern nach der fachlichen Vertretbarkeit fragen ... also Dinge, die die Ausbildungsst√§tte und die Leitungskraft und Sie kl√§ren und entscheiden m√ľssen.

Hampiwoman hat geschrieben:Die √úbernahme der Bezugskinder, wobei es sich um ‚ÄěNeuzug√§nge‚Äú aus dem Krippenbereich als auch ein Eingew√∂hnungskind von au√üerhalb handelt, empfinde ich als unangemessen und f√ľr mich nicht erbringbar aus dem beschriebenen Kontext heraus.

Es ist eigentlich unzulässig, solche Fragen abstrakt und ohne Kenntnis der konkreten Situation zu behandeln, weil eigentlich immer nur der konkrete Einzelfall zu bewerten ist; aber ....
ich w√ľrde unterscheiden zwischen Eingew√∂hnungskindern und anderen Bezugskindern, die die Einrichtung schon kennen.
Eine Eingew√∂hnung durchzuf√ľhren, wenn Sie von drei Wochen eine Woche abwesend sind, scheint mir ausgeschlossen. Bei der Eingew√∂hnung geht es um den Aufbau einer tragf√§higen Beziehung zwischen dem Kind und der Erzieherin ... wie das klappen soll, wenn Sie immer wieder eine Woche fehlen??? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Hampiwoman hat geschrieben:Es ist nicht nur der zeitlich zus√§tzliche Faktor sondern auch dass ich diese Kinder ausschlie√ülich in der Praxisphase beobachten und begleiten kann und durch die schulische Unterbrechung gibt es keine Stabilit√§t, die einen gelungenen Beziehungsaufbau wesentlich ausmacht. Mir entgehen ebenfalls Entwicklungsschritte, die in meiner Abwesenheit gelingen und bei viel Gl√ľck eventuell durch Dritte an mich herangetragen werden. Dies in der Gesamtheit finde ich gewagt und nicht im Sinne der Kinder.

Bei den anderen Bezugskindern sehe ich das anders (aber wie gesagt, ohne konkrete Kenntnis der Verhältnisse.) Auch wenn Sie in einer Kita fest angestellt sind, werden Sie ihre Bezugskinder nicht jeden Tage sehen und vor allem werden Sie diese nicht jeden Tag intensiv beobachten (können und auch nicht sollen).
Entwicklungsbeobachtungen sollten in einem solchen zeitlichen Rahmen hinreichend möglich sein (und vielleicht ist es sogar ein Vorteil, wenn Sie Ihre Beobachtungen im schulischen Rahmen reflektieren können...).
Ob Sie Ihren sonstigen Aufgaben als Bezugserzieherin nachkommen k√∂nnen, kann ich nicht einsch√§tzen, da ich nicht wei√ü, welche Aufgaben eine Bezugserzieherin in Ihrer Einrichtung hat. Aber Sie haben doch sicherlich diese Frage in der Kita, mit Ihren Kolleginnen und mit der Leitung, wie auch in der Schule mit den Kolleginnen und Lehrkr√§ften besprochen!! Da Sie ja offenbar selber erhebliche Bedenken haben, wie wurde mit diesen Bedenken umgegangen? Je konkreter (bezogen auf die jeweilige Situation, die jeweiligen Kinder und auf Sie) diese Reflektionen verlaufen umso verl√§sslicher scheinen mir die Ergebnisse. Misstrauen Sie grunds√§tzlichen, verallgemeinernden Aussagen; "immer", "nie"... sollte besonders gr√ľndlich begr√ľndet werden.
Und noch eine Bemerkung zu dieser Ausbildungsform: Der Modellstudiengang, in dem Sie das Gl√ľck haben ausgebildet zu werden, bietet gerade durch seine zusammenh√§ngenden Lernphasen (zwei Wochen und eine Woche) die Gelegenheit eines relativ kontinuierlichen und verl√§sslichen Einlassens auf die jeweilige Lernsituation. Wenn Sie jede Woche zwei Tage nicht in der Kita sind, wird i.d.R. der Bezug zur Praxis wesentlich fragilier. (Was √ľbrigens auf die die Schulzeit gilt.)
Es gr√ľ√üt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: Bezugskinder in der berufsbegleitenden Ausbildung

Beitragvon Hampiwoman » 10.03.2019, 23:04

Vielen herzlichen Dank f√ľr die detaillierte Antwort und die Beleuchtung aller Blickwinkel.
Die Kommunikation in der Einrichtung ist bezogen auf diese Thematik eher sp√§rlich. Nach einem T√ľr- und Angelgespr√§ch, in dem ich gefragt wurde, ob ich mir Bezugskinder zutraue, erhielt ich telefonisch zum Ende der Theoriewoche die Information der in meiner Anfrage benannten Thematik Bezugskinder. Meine Nachfrage diesbez√ľglich innerhalb der Schule ergab die Antwort: Bezugskinder nur mit Begleitung/Unterst√ľtzung.
Ich strebe ein Gespräch in der Einrichtung an, um beidseitige Erwartungshaltungen ( Dokumentationszeit, Eingewöhnung, Elterngespräche) zu erörtern mit dem Ziel, einen gemeinsamen Konsens zu erarbeiten.
Bereichert und reflektiert durch Ihre Antwort werde ich in die kommende Praxisphase starten.
Gruß

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Detlef Diskowski
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Re: Bezugskinder in der berufsbegleitenden Ausbildung

Beitragvon Detlef Diskowski » 11.03.2019, 19:19

Ich finde das √ľbrigens ein spannendes Thema f√ľr eine intensivere Auseinandersetzung ...z.B. im Rahmen einer Facharbeit oder so.
Es wäre auch sehr fruchtbar, diese Themen auch in der Schule (nicht nur in der Kita) zu diskutieren, weil an diesen konkreten Fragen Themen wie "Bindung", "Eingewöhnung", "Selbständigkeit" ... konkret und praktisch werden. (Ich denke, erst wenn es konkret und praktisch wird, ist es lehrreich :-)
Es gr√ľ√üt freundlich
Detlef Diskowski

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Re: Bezugskinder in der berufsbegleitenden Ausbildung

Beitragvon Hampiwoman » 11.03.2019, 19:34

Da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Das Thema ist sehr spannend und ich kann es mir gut als Inhalt einer Facharbeit vorstellen. :) Puh... ich gerate gerade in Schwanken gegen√ľber meinem urspr√ľnglich angedachtem Thema. Da werde ich nochmal in mich gehen. Dankesch√∂n f√ľr die Anregung.
Herzlichen Gruß Hampiwoman

byronesory
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Bezugskinder in der berufsbegleitenden Ausbildung

Beitragvon byronesory » 13.05.2019, 02:29

Kann jemand best–ﬧtigen, dass wenn da f–ď—ėr LA-BU bei der Pr–ď—ėfung steht auch die normale pr–ď—ėfung f–ď—ėr den Bachelor Biologie geschrieben werden kann? Ich will das endlich mal erledigen.


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